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Die Burg Weißenstein -Eine rekonstruierte Darstellung (von Walter Zinke)

"Die Burgruine Weißenstein, ehemaliges Kurfürstliches Schloß, von Sagen und Mythen umrankt, faszinierte mich schon von Kindheit an, Träume waren es oftmals, wie könnte die Ruine einmal ausgesehen haben? Das "Burgfieber" packte mich und ließ mich bis heute nicht mehr los."
- so beginnt Herr Zinke bei seiner schriftlichen Ausarbeitung der Rekonstruktionsarbeit, und führt etliche aussagekräftige Unterlagen auf, die er für seine umfangreiche Arbeit benötigt und herangezogen hat.

Wer noch detailliertere Unterlagen in Erfahrung bringen will, sollte sich persönlich mit Herrn Zinke  in Verbindung setzen über seine E-Mail: architekt.zinke@t-online.de  oder kann dies Nachlesen in dem von ihm herausgebrachten Taschenbuch "Burg Weißenstein", "Der kleine Führer". Selbstverständlich können Sie diesen Burgführer bei Herrn Zinke, oder aber direkt im Museum "Fressenden Haus" auf Weißenstein erwerben. Aber auch die Postkarten können bei H. Zinke erworben werden.

Das Ganze, so Zinke, wurde wie ein Puzzle mit den Erkenntnissen und dem Wissen als Architekt systematisch zusammengefügt und zeichnerisch dargestellt.
Erschwerlich war das Fehlen von historischen Unterlagen über den Burgenbau Weißenstein.

Trotzdem empfinde ich es als meine Pflicht, den Rekonstruktionsversuch der Öffentlichkeit zu übermitteln.
So denke ich, dieser Rekonstruktionsversuch ist von allgemeinem öffentlichem Interesse.

Die bildliche Darstellung entspricht den architektonischen Untersuchungen,
die durch die archäologischen und vermessungstechnischen Vorgaben weitgehend gedeckt sind.

Um die links angzeigte Luftaufnahme zu vergrössern, klicken Sie sie bitte an.
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Die Burganlage: Typische Höhen- oder Gipfelburg

Die Darstellung der Grundriss- und Ansichtsplänen mit Teilschnitten und Höhenangaben von Ebene 1 = 720 m über NN bis Oberkante Zinnen Westturm oder Bergfried = 765,61 mm über NN, plus Dachkonstruktion, Höhe ca. 6,00 bis 8,00 m, was eine Gesamthöhenentwicklung von ca. 52 Metern bedeutet.

Um die links angzeigte Skizze des Keller - Grundrisses zu vergrössern,
klicken Sie sie bitte an.

Die gesamte Anlage war eingerahmt von einer Ringmauer oder "Bering" genannt, mit umlaufendem Wehrgang, Wandstärke 2,50-1,25 m, Höhe bis ca. 14 m. Der Verlauf der Ringmauer ist auf alten Katasterplänen noch erkennbar. Zur Aussteifung und zu Verteidigungszwecken wurden Türme im Ober- und Unterburgbereich errichtet. Die Umrisse der Türme bzw. Ringmauern wurden den Geländeformationen und dem Bergrücken angepasst, was teils schiefwinkelige und polygone Grundrisse ergab.

Bild: Grundriss Erdgeschoss Bild: Grundriss 1. Obergeschoss
Zum Vergrößern der oben angezeigten Skizzen, diese bitte anklicken.

Oberburg:
Westturm oder Burgfried, heute noch gut erhalten, bestehend aus Eingangsbereich und Zugang aus ehemaliger Wohnburg auf einer Ebene in Höhe von 765 m über NN, mittels Zugbrücke. Dieser Teil galt als letzter Zufluchtsort, was der darunter liegende Vorratskeller beweist. Keller und Eingang waren bzw. sind mit Steingewölben versehen. Darüber waren Holzdecken und Holzböden eingezogen, Ansätze der Gewölbe, im Eingangsbereich noch erkennbar, ebenso die Teilung des Kellers bzw. der Eingangszone, bestehend aus Treppen zur 3. Wohnebene und zum Zinnenbereich, Aufenthaltsraum und Abtritt (Klo). Aufmaß der Türme: ca. 10 x 9 m, Wanddicken 2,50 bis 1,50 m.

Lichtöffnungen wurden mit Schießscharten erreicht. Die Schießscharten sind Öffnungen in den Mauern, welche es ermöglichten, dass man immer dorthin zielen konnte, wo der Feind sich gerade aufhielt. Deshalb sind die Spalten nach innen aufgeweitet und mit Brüstungsnischen versehen, um sich mit der Armbrust dem engsten Teil der Scharte nähern zu können. Bei dicken Mauern wurden die Scharten nach außen, innen oder beiden Seiten erweitert und in die Breite angelegt. Am Westturm und in den Mauerresten ist die noch deutlich erkennbar.

Wohnburg:
Erreichbar über Vorburg ("Fressendes Haus" sichtbare Steinkonsolen für Wehrgang), Burgfried " Wehrgang " Nordturm, aber auch über Südturm und Unterburg. Die Wohnburg hatte eine eigene Vorburg mit doppelter Toranlage aus schwerem Granitgewände, Aufenthaltsräume für Wachen mit Schießscharten. Diese Ebene in Höhe von 743 m über NN hatte keine Zugangsmöglichkeit zum Südturm, wohl aber zum darunter liegenden Burgverlies mit geteiltem Kerker und Folterraum.

Um die Gesamtansicht von Süden zu sehen, bitte die obige Grafik anklicken.

Ebene 1. Obergeschoß:
Höhe ca. 749 m über NN, Rittersaal ca. 70 m² mit Kachelofen oder offenem Kamin, Nebenräume wie Küche, Lager und Abtritt, Zugang über Südturm (Türöffnung mit Segmentbogen noch gut erkennbar) und innenliegender Wohnburgtreppe. Das gesamte Außenmaß des Wohnbereiches betrug ca. 40 x 9 m.

Ebene 2 und 3
waren reine Wohnbereiche mit Schlafkammern, Salons, Bibliothek, Abtritt mit Waschgelegenheit usw. Die Stockwerkshöhen sind noch deutlich an den Mauerresten erkennbar und dürften 4 - 4,50 m betragen haben. Der westliche Bereich könnte auch ein Zwischengeschoß zur Überbrückung der Felsformationen gehabt haben. Hinweise zeigt der Stich von Wening.

Die Wohnburg
war östlich eingebettet zwischen Süd- und Nordturm. Das schmale, längliche Rondell ist ca. 14 m lang und i.M. 5 m breit. Auf diesem erkennt man ein viertelkreisförmiges Fundament, welches einer Zisterne zum Auffangen von Regenwasser diente.

Der Südturm
mit Ausmaß von ca. 7/9 m Größe gründete fundamentmäßig in den Bereich der Unterburg, die Turmfunktion, war Treppen- und Wehranlage. Er hatte auch eine Zugangsmöglichkeit für ankommende Gäste im Wirtschaftshof der Unterburg und zum Besuch der Schlosskapelle. Die Lage des Südturms ist noch klar durch eine noch vorhandene Verzahnung an der Südwand der Wohnburg erkennbar.

Im Nordturm            
waren Treppen und Wirtschaftsbereiche untergebracht. Grabungen und div. Funde beweisen dies. Der Turm mit Ausmaßen von ca. 9/9,5 m und einer Höhe von ca. 25 m war auch Wohn- und Wehrbereich (Wehrgangsverbindung mit Vorburg "Fressendes Haus"). Der Turm ruht auf ca. 2,5 m dicken Fundamenten.

Ein legendärer Pulverturm
war sicherlich zwischen Südturm und Vorburg auf der Höhe des Burgfriedes vorhanden (Lage günstig wegen eventueller Explosionsgefahr!).

Ebene Unterburg,
östliche Begrenzung durch Bering mit Wehrgang zwischen Vorburg und Torturm (720 m über NN), südliche Begrenzung Wirtschaftsgebäude, Stallungen, massive Scheunen, Wasch- und Mannschaftsgebäude und Wehrgang Richtung Westen mit Anschluss an Pfahl. Heute noch erkennbarer, stark überwachsener Wall.

An der östlichen Ringmauer wurden später Gebäude mit Pultdächern angebaut, z.B. Bäckerei, Schmiede, Pfarrhof und Rechtspfleger.

Die Burgkapelle
lag zwischen Unterburg und Burgfried, eingebettet von Obstbäumen und Burgbrunnen. (720 m über NN).

Der Anblick der höchst malerisch angelegten Burganlage lässt den Besucher die stürmischen Schicksale der Burg vergessen.

© Dipl.-Ing. Architekt Walter Zinke

Die Freunde der Burganlage Weißenstein e.V. bedanken sich sehr herzlich bei Herrn Zinke
für die Bereitstellung dieser Ausarbeitung, sowie der Überlassung von Bild-, Skizzen- und Planmaterial.


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